"Wir können nicht bestimmen, was uns im Leben begegnet, aber wir können lernen, damit positiv umzugehen."

Frederick Kanfer

Behandlungs­schwerpunkte

In meiner langjährigen Erfahrung mit einer Vielzahl von PatientInnen habe ich gelernt, dass häufig die Störungsbilder, die zu einer Behandlung führen – z.B. Ängste oder Depressionen – zwar viel Leiden mit sich bringen, häufig aber Lösungsversuche darstellen für biographisch bedingte Spannungen, die wir in uns tragen oder mit anderen erleben. Eine symptomorientierte Behandlung mit den klassischen verhaltenstherapeutischen Techniken kann in diesen Fällen zwar eine Linderung bringen, verläuft aber in der Regel langsamer und weniger effektiv als bei durch akute Belastungen ausgelösten Erkrankungen.


Mir ist es ein Anliegen, gerade für diese biographisch bedingten Probleme Hilfe anzubieten und durch ein genaueres Verständnis für und Bearbeiten von „Lebensfallen“ oder „Wunden Punkten“ auch eine Reduktion der aktuellen Symptome zu erreichen. Für diese Arbeit bietet die Schematherapie als moderne Weiterentwicklung der Verhaltenstherapie eine hilfreiche Basis.


Neben einer symptombezogenen Diagnostik werde ich Sie daher immer nach wichtigen Erfahrungen in Ihrer Kindheit und Jugend befragen. Vor allem unsere Beziehungserfahrungen innerhalb unserer Familie oder mit wichtigen anderen (Lehrer, Gleichaltrige) können uns wichtige Hinweise darauf geben, welche emotionalen Grundbedürfnisse in Ihrer Kindheit nicht gut versorgt wurden und deswegen unsere besondere Aufmerksamkeit brauchen. Es gilt, neue und hilfreiche Wege zu finden, dass Sie zum einen gut spüren können, was Sie brauchen und zum anderen sich gut und angemessen um diese Bedürfnisse zu kümmern.


Auch werden wir herausarbeiten, welche Leit- oder Glaubenssätze Sie geprägt haben und immer noch prägen. Das können fordernde Sätze sein wie „Reiß Dich zusammen! Du musst erfolgreich sein! Du musst Dich um andere kümmern!“, Schuld- und Schaminduzierende Sätze wie „Du bist verantwortlich! Du genügst nicht!“ oder entwertende, kritische Sätze wie „Du bist nichts wert! Mit Dir stimmt was nicht! Du bis ein Versager!“. Solche inneren Glaubenssätze verhindern, dass wir gut für uns sorgen können. Wir werden gemeinsam daran arbeiten, Sie in Ihrer Häufigkeit und Intensität zu reduzieren.

Um die Spannung zwischen dem, was wir eigentlich brauchen (unsere emotionalen Grundbedürfnisse) und dem, was früher andere, heute wir selbst, von uns erwarten (Leit- und Glaubenssätze) zu lösen, entwickeln wir alle verschiedene Strategien. Aus biologisch-genetischer Sicht stehen uns drei Grundvarianten zur Verfügung:

  1. Wir können Situationen aushalten (Erdulden, Anpassen),
  2. wir können versuchen, unangenehmen Situationen oder Gefühlen aus dem Weg zu gehen (Vermeiden, Flucht)
  3. oder wir versuchen, uns zu wehren oder uns stärker/machtvoller zu machen, als wir sind (Überkompensation)

Diese Lösungsversuche beginnen schon in frühester Kindheit und werden geprägt von unserem biologischen Temperament und den Bedingungen, die uns in unserer Herkunftssituation gegeben sind. Sie sind in dieser frühen Zeit oft (über-)lebenswichtig, da sie uns eine zumindest basale Versorgung unserer wichtigsten Bedürfnisse (Bindung, Sicherheit) gewähren. Im Erwachsenenalter sind diese Strategien jedoch oft unangemessen und zu festgefahren. Sie verhindern dann, dass wir uns an neue Menschen und Gegebenheiten anpassen, was wiederum die Entstehung von psychischen Symptomen fördert.

Wir werden Ihre Lösungsversuche auf den Prüfstand stellen

Welche Vor- und Nachteile haben Ihre Strategien? In welchen Situationen sind die Strategien hilfreich, in welchen nicht? Und wir werden daran arbeiten, ungünstige Strategien zu reduzieren und gleichzeitig neue aufbauen, die Ihnen helfen werden, sich im Sinne Ihrer Grundbedürfnisse zu verhalten.

Meine Haltung in diesem Prozess ist geprägt von einer fürsorglichen Unterstützung für Ihre Grundbedürfnisse und von einer sanften aber bestimmten Konfrontation Ihrer nicht hilfreichen Strategien und der schädigenden Leitsätze.

Ziel ist es, Sie so schnell wie möglich und so langsam wie nötig zu befähigen, sich selbst als liebevoller „gesunder Erwachsener“ um Ihre Bedürfnisse zu kümmern und sich mit Klarheit und Bestimmtheit gegen dysfunktionale Glaubenssätze und Impulsen zu ungünstigen Bewältigungsstrategien zu wehren.